Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Frauen offiziell zum Studium voll zugelassen (1900 in Baden, 1908 in Preußen). Noch bevor die erste Frau in Deutschland promovieren konnte, hatten sich bereits an mehreren Hochschulorten Damenverbindungen gegründet (z. B. der Verein studierender Frauen Hilaritas Bonn 1899 oder die Alt- Heidelbergerinnen 1904).
Sie übernahmen teilweise den Comment der etablierten Verbindungen, adaptierten jedoch einige der Riten und Liedtexte. Bis 1933 existierten in Deutschland und Österreich etwa 100 weibliche Verbindungen. Es kam sogar zur Gründung von Dachverbänden. Auf evangelischer Basis wurde 1904 die Deutsche Christliche Vereinigung Studierender Frauen gegründet (20 Vereine), 1906 der Verband der Studentinnenvereine Deutschlands (7 Vereine), 1913 der Verband katholischer deutscher Studentinnenvereine (27 Vereine) und 1914 der Deutsche Verband Akademischer Frauenvereine (9 Vereine).
Studentische Verbindungen für Frauen wurden aufgrund der Gleichschaltung in den 1933er Jahren nicht zugelassen. Nationalsozialistische studentische Kameradschaften gab es für Frauen nicht.
Nur der Verband katholischer deutscher Studentinnenvereine (V. K. D. St.) wurde 1952 wiedergegründet und in „Bund katholischer deutscher Akademikerinnen” umbenannt.
Dorothea Christiana Erxleben
Dorothea Erxleben, geb. Leporin, war die Tochter eines Quedlinburger Arztes und die erste Doktorin der Medizin in Deutschland.
Der Weg der Frauen in die Medizin war immer beschwerlicher als der der Männer. Noch zu Beginn unseres Jahrhunderts kam die Vorstellung, dass eine Frau eine männliche Leiche seziert, für viele deutsche Universitätsmediziner einer entsetzlichen Vision gleich. Erst im WS 1908/ 1909 wurden in Preußen offiziell auch Medizinstudentinnen an den Landesuniversitäten zugelassen.
Aber erst während des 1. Weltkrieges war den Frauen in Deutschland auch die Approbation möglich.
Ihre ersten medizinischen Unterweisungen erhielt Dorothea Erxleben durch ihren Vater. Trotz ihrer außergewöhnlichen anatomischen und medizinischen Kenntnisse blieb ihr ein förmliches Universitätsstudium verwehrt. 1740 bat sie den jungen Preußenkönig Friedrich II., ihr die Promotion zu ermöglichen. Dieser wies die medizinische Fakultät in Halle/ Saale an, ihr bei einer Promotion keine Schwierigkeiten zu bereiten. Dieses Anliegen scheiterte jedoch zunächst.
Dorothea Erxleben begann daraufhin, ihre Gedanken über die Frage des Frauenstudiums in einem Manuskript niederzulegen, das 1742 unter dem Titel „Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten” erschien und für einige Unruhe in akademischen Kreisen sorgte.
Durch die Heirat mit dem Diakon Johann Christian Erxleben verzögerte sich das Medizinstudium, und da sie weitere ärztliche Hilfereichungen machte, trug ihr dies eine Anzeige Quedlinburger Ärzte wegen Kurpfuscherei ein. Um die Praxis des Vaters übernehmen und weiter behandeln zu können, machte sie schließlich ein Medizinstudium und promoviert 1754 in Halle.
Bis zu ihrem Tod- mit 46 Jahren stirbt sie an einer Infektion- praktiziert sie in Quedlinburg.
| 1742 | Dorothea Christiana Erxleben wird Doktor der Medizin in Quedlinburg |
| 1817 | Beim Wartburgfest bekommen Frauen zum ersten Mal Gelegenheit, an einer studentischen Veranstaltung teilzunehmen. |
| 1848 | Jenny Lind erhält das Ehrenband der Göttinger Burschenschaft Hannovera. |
| 1863 | Frankreich lässt Frauen zu allen Studiengängen außer Theologie zu. In Deutschland werden keine Frauen zugelassen mit der Begründung, dass keine ausreichende Schulbildung vorlag. Es gab zu dieser Zeit nur Knabengymnasien. |
| 1889 | Helene Lange gibt zum ersten Mal Realkurse für Mädchen und legt damit den Grundstein für das Frauenstudium. |
| 1893 | Helene Lange beginnt mit Gymnasialkursen für Mädchen. |
| 1899 | Rahel Strauss wird die erste deutsche Studentin in Heidelberg. |
| 1900 | Der Badische Erlass besagt, dass alle Frauen, die ein Reifezeugnis nachweisen können, probeweise zum Studium zugelassen werden (in Heidelberg und Freiburg). Rahel Strauss wird zum Doktorexamen zugelassen. |
| 1911 | Der Anteil der weiblichen Studierenden beträgt 5 %. |
| 1917 | Erstmals setzen sich auch Professoren für das Frauenstudium ein. Als Folge der Diskriminierung kommt es zu der Gründung erster Verbindungen (1. weibl. Verbindung 1899 in Bonn; Verein studierender Frauen Hilaritas zu Bonn) |
| 1939 | Durch den Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg erleidet das Frauenstudium einen herben Rückschlag. |
| 1960 | Erst in den 60er Jahren nimmt die Emanzipation der Studentin andere Formen an. es werden Frauen bei SBV Hercynia (Heidelberg), der akademisch musischen Vereinigung Stauffia (Heidelberg) und der Burschenschaft Cheruskia (Bonn) aufgenommen. |
| 1976 | Entstehung der ersten heutigen Studentinnenverbindung in Münchberg TTDV Ferra Floris |